Julia


Es ist der 12. Juli 2011, als ich Abends in meiner linken Brust ein golfballgroßes Ei fühle. Drei Tage später, am 15. Juli, bekomme ich die Diagnose Brustkrebs und werde damit ins Wochenende gelassen. Alles verschwindet in einem dichten Nebel. Ich bin 26 Jahre alt und habe Brustkrebs.

Wenn man gerade um sein Leben kämpft, ein halbes Jahr regelmäßig vergiftet wird (was einem auf der anderen Seite das Leben rettet), man diverse Nebenerscheinungen der Therapie hat, einem die Haare ausgehen und das Kortison, von Nebenwirkungen wie extreme Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen abgesehen, auch noch den Körper stark verändert, fragt man sich, ob irgendwann einmal alles wieder „normal“ wird und erkennt sich selbst nicht mehr wieder.

Man bekommt oft zu hören „Ja, das ist doch nur jetzt so, dass geht doch wieder weg. Hauptsache du wirst gesund.“ und man weiß, dass diese Leute natürlich recht haben. Trotzdem. Die körperlichen Auswirkungen einer Chemotherapie und deren Nebenwirkungen tragen natürlich nicht zum Wohlbefinden bei, welches in der Zeit höchst wahrscheinlich eh nicht besonders groß sein wird. Und dann kommen zu den körperlichen Auswirkungen auch noch die psychischen.

Manche mögen nun sagen, „Nun komm, sei nicht so oberflächig, Hauptsache du wirst gesund!“ und bestimmt gibt es auch einige Betroffene die ebenfalls denken „Solange man gesund ist, sollte man sich über solche Äußerlichkeiten nicht beklagen.“ Und natürlich ist uns allen klar, dass die Gesundheit das wichtigste ist, vor gutem Aussehen, viel Geld etc. Wer wüsste das besser, als jemand, der einmal in einer Lebensbedrohlichen Situation war. Ich glaube aber, dass, wenn man sich „gut“ fühlt, dieses auch positiv zum Heilungsprozess beitragen kann.

Einigen wird es bestimmt genau wir mir gehen. Und für euch ist dieser Blog. Um euch Mut zu machen. Denn ja, die Zeit geht vorbei. Und ja, es ist gemein, dass man dafür was tun muss, denn man hat sich schließlich nicht ausgesucht krank zu werden, Kortison und sonstige Medikamente nehmen zu müssen. Jedoch sollte man sich dem Thema, ich nenne es gerne „Rücktransformation“, erst widmen, wenn man wirklich die Energie wieder dazu hat. Konzentriert euch darauf „gesund“ zu werden. Macht Sachen die euch gut tun. Esst so viel Eis wie ihr wollt, ihr werdet (hoffentlich) nie wieder eine bessere Ausrede für Genuss im Übermaß haben! Versucht euch nicht übermäßig zu stressen. Das hat Zeit.

Und wenn es dann los geht, ist es eine Freude! Man fühlt sich wie eine Raupe, die langsam aus ihrem Kokon schlüpft und jeden Tag ein wenig mehr zum Schmetterling wird. Und wenn man es dann geschafft hat, breitet man seine Flügel aus und ist schöner, weiser, bewusster und mit einer inneren Stärke, die man vorher nicht zu haben geglaubt hat. Ich bin übrigens eine Fee geworden 😉

 

Eine der ersten Dinge die man so oder so ähnlich denkt nach der Diagnose ist „Warum muss ausgerechnet mir das passieren?“ oder „Na wundervoll. Und welchen tieferen Sinn soll das nun haben?“. Und wenn man ein wenig nach dem Motto lebt „Alles passiert aus einem bestimmten Grund.“ kann man an diese Sätze zumindest ran hängen „…in ein paar Jahren werde ich schon wissen wozu das gut war.“

In drei Monaten ist meine Diagnose zwei Jahre her und wenn man mich heute fragt, kann ich dazu folgendes sagen: Wenn es nach mir geht, bleib ich den Rest meine Lebens gesund! Trotzdem bin ich heute sehr dankbar, dass alles so gekommen ist. Ohne die Erkrankung hätte ich natürlich nie „Weil du schön bist“ angefangen, geschweige denn die Echthaarbänder entwickelt und auf den Markt gebracht. Ich hätte niemals Kontakt zu so vielen anderen Betroffenen gehabt und hätte nie so vielen Frauen mit den Echthaarbändern oder einfach auch nur mit Gesprächen helfen können. Es ist ein wundervolles Gefühl anderen zu helfen und Mut zu schenken! Durch die Krankheit und allem drum herum, wurde ich mit Vollgas auf meine eigene persönliche Reise geschickt. Natürlich entwickeln wir uns permanent. Jedoch unter gewissen Umständen etwas schneller als gewöhnlich. Das ist ganz natürlich, da man ja quasi zum Umdenken gezwungen wird. Denn irgendwas schien vorher ja nicht im Lot zu sein. Ich beschäftige mich mittlerweile mehr mit der fein stofflichen Welt, bilde mich immer weiter in der Energie Arbeit und auch sonst ist mein Leben heute viel schöner, bunter, intensiver und verrückter als vorher und ich könnte mir nicht vorstellen noch mal einen Tag in mein altes Leben zurück zu gehen.

Und auch wenn ich gerne in meiner „Seifenblasen-Glitzer-Feen-Welt“ bin, so hab ich natürlich auch immer wieder Momente in denen ich Angst bekomme. Und das ist in der Regel dann vor der Nachsorge. In diesen Momenten wird man wieder an die schlimmsten Tage seines Lebens erinnert. An die Tage an denen einem bewusst wurde, dass wir doch nur zu Besuch hier sind und dieser Aufenthalt schneller vorbei sein kann als gedacht. Doch auch was das Thema sterben angeht, hat sich bei mir einiges getan. Ich weiß noch wie ich vor ein paar Jahren zu meinem Freund sagte, dass ich mir wünsche, irgendwann wenn ich alt bin mich aufs sterben zu freuen und den Tod als das nächste große Abenteuer anzusehen. Damals sagte ich auch, dass ich nicht weiß wie ich zu dieser Erkenntnis kommen soll. Tja, wie heißt es so schön? „Be careful what you wish for cause you just might get it.“ Und heute weiß ich genau was Robbie Williams meint, wenn er singt: Ich habe keine Angst vorm Sterben, ich will es nur nicht.

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