Der Weg zurück in meinen Körper

Eigentlich bin ich gerade im Urlaub und wollte diesmal bewußt nichts machen was mit weil du schön bist zu tun hat.  Und nun sitze ich hier mit meinem Handy und wische über  die Tastatur. Geht immerhin schneller als tippen. Eventuelle Fehler die sich mit dem Handy ja so gerne einschleichen werden später korrigiert.

Warum schreibe ich jetzt eigentlich? Ich denke viele Menschen haben nach einer Krebserkrankung ein „Körper Thema“. Man hat das Vertrauen in den eigenen Körper verloren.  Vielleicht wollte man diesen diverse Male verlassen und hat dies in Form von Panik Attacken immer wieder versucht. Wie oft hatte ich das Gefühl nicht mehr in meinem Körper zu sein… zumindest nicht mehr ganz.

Und irgendwann ist alles „vorbei“ und plötzlich steht man da. Alleine mit seinen Gedanken und Ängsten. Man muss sich wieder integrieren in das normale Leben. Und auch Frodo erkennt dies, als er nach seinem Abenteuer wieder  zurück im Auenland ist.

Wie knüpft man an an ein früheres Leben? Wie macht man weiter, wenn man tief im Herzen zu verstehen beginnt, dass man nicht mehr zurück kann? Manche Dinge kann auch die Zeit nicht heilen, manchen Schmerz, der zu tief sitzt und einen fest umklammert.

Und nach und nach sammelt man die Puzzleteile wieder auf.  Sortiert alte aus die nicht mehr ins neue Bild passen und nimmt neue dazu um das zerbrochene Bild nach und nach und Stück für Stück wieder neu zusammen zu fügen.

Ich habe in den letzten Monaten jedoch gemerkt,  dass ich dabei eine Sache übersehen habe. Ich liebe meinen Körper.  Alle kleinen Zellen und Moleküle. Mein Körper läuft wie eine eins,  was wir Frauen ja besonders gut feststellen können. Ich bin mittlerweile sehr sensibel für die Vorgänge in ihm und passe mich sehr gerne den verschiedenen Zyklen an.

Doch Selbstliebe, auch dem eigenen Körper gegenüber,  ist nicht das gleiche wie das Vertrauen in die eigene Kraft des Körpers. Wenn man mir sagte,  ich müsse mich mehr bewegen,  ja sogar Sport machen,  so reagierte ich mit extremer Abwehr bis hin zu Tränen aufgrund von Schuldgefühlen. Natürlich wusste ich,  dass ich für einen gesunden Körper und um in Balance zu sein mich bewegen müsste. Ich habe mich selbst gefragte,  was genau los ist weil ich so extrem reagiere.  Bis eine Freundin schließlich den entscheidenen Satz sagte:

„Ist doch ganz klar. Du möchtest deinen Körper nicht spüren.“. Das Gespräch war natürlich etwas ausführlicher und letzten Endes tiefgreifender. Aber dieser eine Satz brachte mich zum weinen und ich wusste wo der Hund begraben ist. Hatte ich mir doch auch so oft gewünscht nicht in meinem Körper zu sein. Geschweige denn ihn zu fühlen. Nicht das diese Erkenntnis mich zum Sport gebracht hätte.  Aber es war ein erster Schritt zu verstehen,  was genau überhaupt los ist.

Nun bin ich gerade in den Bergen und obwohl ich einige Zweifel uns Ängste hatte, bin ich heute mit meinem Freund auf einen Berg gegangen. Nicht etwa mit dem Lift sondern von unten und zu Fuß. Die Sonne schien heute Vormittag noch ziemlich warm (Hitze und pralle Sonne sind nicht die besten Freunde meines Kreislaufs) und bereits nach fünf Minuten stand ich schon fluchend und schaufend da und hatte nur einen Gedanken „ich werde auf diesem Berg rauf gehen“. Ein Konditionstraining habe ich nach Chemotherapie etc. tatsächlich nicht gemacht. Offensichtlich nicht.

Der Weg war im steinig und vor allem verdammt steil. Natürlich war mir klar das die Wege auf einen Berg hinauf steil sind und bei vergangenen Urlauben sind wir auch immer mal wieder gewandert.  Aber das heute war einfach unfassbar und extrem steil. Für mich gefühlt der Steilheitsgrad bevor man die Hände mit benutzen muss. Was vielleicht ein wenig übertrieben ist aber denke ich klar macht wie steil es war. Sehr!

Nachdem ich eine Absatz lang über den steilen Anstieg geschrieben habe wieder zum wesentlichen. Relativ schnell war ich in meinen Gedanken versunken. An reden war eh nicht zu denken. Ich dachte immer wieder die gleichen Mantras und Affirmationen. „Ich habe einen gesunden,  starken Körper voller Ausdauer und schaffe es mir Leichtigkeit den Berg hinauf“ usw. Die Strecke war im übrigen mit 3 Stunden gekennzeichnet.  Nach zwei Stunden war ich körperlich so am Ende, dass ich keine Luft mehr bekam und vor Erschöpfung weinen musste. Glücklicher Weise hatte ich unter anderem das Pfefferminz Öl von Young Living dabei, so dass ich schnell wieder durchatmen konnte. Auch der „Deep Relief“ Roller kam auf Hals und Dekolleté zum Einsatz um meine Muskulatur, welche sich zusammen zog,  zu entspannen. Mein Freund nahm mir meinen Rucksack ab und ganz langsam ging es weiter.  Stück für Stück. Wie sehr man doch im jetzt ist bei so einer körperlichen Anstrengung.

Die letzte viertel Stunde wurde der Weg entspannter und auf einer Lichtung sahen wir endlich wie hoch wir gekommen waren.  Von ca. 600 Meter über dem Meeresspiegel auf 1400. Auch wehte endlich der Wind und brachte eine lang ersehnte Abkühlung. Der Ausblick war unfassbar schön.

Noch wenige Meter bis zur Kührionthütte. Der Weg ist nun sehr angenehm und geht sogar noch etwas bergab. Endlich waren wir am Ziel angekommen. Nach so einer Tour ist Grießschmarn mit Zwetschgen beinahe Pflicht. Und natürlich eine große Saftschorle. Danach ist wieder Zeit und Kraft zum Denken. Tränen strömen in meine Augen. Wir gehen langsam von der Hütte zurück Richtung Abstieg. Als die Menschen außer Sicht sind, lasse ich die Tränen ungehindert laufen. Überwältigt davon aus eigener Kraft es bis hier her geschafft zu haben.  Mit meinem Körper.  Immer wieder die Worte im Kopf und auf den Lippen „das habe ich geschafft!“

Tatsächlich dachte ich beim hoch wandern immer wieder an meine „Krebs Zeit“ und wie ich damals diesen Berg vor mir gesehen habe und nicht wusste wie ich es hinauf und hinüber schaffen soll. Damals bin ich einfach Schritt für Schritt vorwärts gegangen.  Genau wie heute.  Und so stand die Wanderung auf dem Berg hinauf heute ein bisschen auch für den Berg der letzten Jahre. Aber vor allem waren es auch viele kleine erste Schritte auf dem Weg zurück in meinem Körper.

 

 

Danke auch an meinen Freund, der mich heute geduldig unterstützt und am Ende sogar meine Last getragen hat, damit ich es nach oben schaffe! Ich liebe dich!

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