1 2/3 Brüste und die Angst vor Krebs

Wie der ein oder andere von euch bereits weiß, arbeite ich seit acht Jahren als Make-up Artist. Deshalb habe ich auch ein wenig überlegt, ob ich diesen Beitrag so öffentlich schreiben soll. Immerhin wird man ja von seinen Klienten immer öfter „gegoogelt“ und natürlich würde ich mit den meisten nicht darüber sprechen, wie meine Brüste aussehen, was ich damit vor habe, geschweige denn das ich Krebs hatte.

Doch immer wenn ich das denke, wird eine andere Stimme in mir laut, die sagt „Ja, aber es gibt so viele Frauen denen es ähnlich geht und denen genau so ein Beitrag helfen könnte.“ Und da mir „Weil du schön bist“ vom Leben geschenkt wurde und ich immer mehr merke wie wundervoll es ist anderen wirklich helfen zu können (und damit meine ich die Oberflächigen Dinge wie Make-up oder Echthaarbänder), habe ich mich nun für diese Beitrag entschieden.

Bei mir war die linke Seite betroffen. Ein ziemlich gut abgegrenzter Ball mit relativ glatter Oberfläche und ein Lymphknoten. Trippel Negativ, für alle die  es interessiert. Nach der Chemotherapie wurde dann operiert. Weitere sechs Lymphknoten entnommen und ca. ein Drittel der Brust entfernt. Wie auch dem ein oder anderem bekannt sein dürfte, wuchs die Mamille nicht mehr an. Nachdem also zwei Monate vergingen und das Gewebe immer schlechter aussah, wurde ich dann noch drei vier Mal operiert. In diesen OPs wurde immer mehr Gewebe entnommen.

Als dann alles „sauber“ war, ging die Bestrahlung weiter. Darunter verhärtete sich die Narbe massiv, so dass sie hart wie Stein wurde.

Ende November hatte ich dann meine erste Nachsorge Untersuchen. Bereits vor der Untersuchung sagte man mir, ich solle aber auf jeden Fall noch mal ins MRT. Nach der Mammographie und während des Ultraschalls (es werden wahrscheinlich viele von euch nachvollziehen können wie einem plötzlich heiß wird und man die Anspannung und Aufregung kaum noch aushält)  sagte die Ärztin dann „die rechte Brust sei nicht ok“. Ich dachte „Nicht ok? Was willst du eigentlich? Die ist ganz wundervoll!“. Es hätte mich ja nicht gewundert, wenn sie gesagt hätte, dass das Narbengewebe auf der anderen Seite vorsichtshalber gecheckt werden sollte, aber rechts? Nachdem ich mehrmals fragte was „Nicht ok“ heißt und ob dort ein Knoten zu sehen sei, sagte sie „Nein, kein Knoten. Aber eine Gewebeveränderung.“ Nun muss man dazu sagen, das die Ärztin mich zu dem Zeitpunkt knapp 1,5 Jahre nicht gesehen und sich einiges in meinem Körper verändert hat. Ab gesehen von der Chemo und den Medikamenten, der Gewichts Zu- und Abnahme hab ich nämlich wieder wundervolle Menstruationsbeschwerden, welche ich in den letzten 13 Jahren prima mit Hormonen unterdrückt habe. Ganz neu ist für mich, dass meine Brüste ca. 1,5 Wochen vor der Menstruation anfangen leicht bis stark weh zu tun. Nun werden viele von euch sagen „Das ist doch normal, das hab ich auch.“ Für jemanden, der das vorher so aber nicht erlebt hat ist sowas psychisch nach einer Krebserkrankungen jedes Mal wieder eine Herausforderung.

Wie auch immer, ja, offensichtlich hat sich mein Gewebe verändert. Ich spüre es ja jeden verdammten Monat! Aber da die Ärztin mich schon vor der Untersuchung zum MRT schicken wollte, hatte sie nun ja einen noch besseren Grund. Das MRT war eine Woche später. Am 6. Dezember. Ich hatte lange nicht mehr so viel Angst wie in dieser Woche. Könnte da doch wieder was sein? So schnell? Durch meine panische Angst stürzte ich mich noch intensiver in Vorlesungen von Robert Betz und anderen Büchern und Hörbüchern zum Thema „Heilen, Energie, Engel, Leben“. Ja, wer hätte das gedacht. Durch die letzten Monate bin ich tatsächlich zu den Engeln gekommen. Verrückt. Aber nun liebe ich sie.

Wer sich erinnert, der 6. Dezember 2012 war ein Donnerstag. Also war der Tag der Nachsorge ebenfalls ein Donnerstag. Und wie herrlich ist es doch, so kurz vor dem Wochenende mit panischer Angst allein gelassen zu werden.  Montag bis Mittwoch hatte ich einen Job. Der Montag war furchtbar. Im wahrsten Sinne. Ich konnte an nix anderes denken, musste aber bei dem super coolen Fotoshooting super cool und professionell sein. Das ging bis zum späten Nachmittag so. Und dann habe ich was ausprobiert. Ein kleines Experiment. Schlimmer und Angstvoller konnte es in mir eh nicht werden.

Dazu muss ich kurz vorweg nehmen, dass man (unter anderem auch nach Robert Betz) seine Gefühle annehmen soll. Jedes Gefühl will angenommen und gefühlt werden. Wir neigen natürlich dazu, negative und unangenehme Gefühle weg zu stoßen weil wir sie nicht fühlen wollen. Weil sie eben unangenehm sind. Aber genauso sinn frei wie es ist, einem kleinen Kind zu sagen „du musst doch keine Angst haben“ wenn es eben Angst hat, ist es ebenfalls sinn frei seine eigene Angst weg zu schieben und so zu tun als ob sie nicht da sei. Sie ist doch schon da.

Man kommt sich vielleicht am Anfang etwas komisch dabei vor. Allerdings muss man ja nicht laut sprechen sondern es reicht auch zu denken. Und das tat ich.

„Hallo liebe Angst, da bist du ja wieder bzw. immer noch. Ich fühle dich jetzt seit fast fünf Tagen so intensiv und ich nehme dich wahr, aber nun bin ich gerade auf einem Job und es wäre ganz wundervoll, wenn du mich wenigstens für ein paar Momente los lassen könntest, damit ich frei atmen kann. Nur ein bisschen Pause von dir wäre jetzt gerade echt toll. Und außerdem, selbst wenn am Donnerstag beim MRT wieder eine bösartige Veränderung festgestellt wird, kann mir nichts passieren, denn ich entschließe mich zu leben.“

Und dann passierte etwas wirklich unglaubliches. Ich konnte förmlich zusehen, wobei das passendere Wort wahrnehmen ist, wie die Angst davon getragen wurde. Als ob jemand meine Angst an die Hand nahm und sagte „komm, jetzt ärgerst du mal wen anders.“ Danach fühlte ich mich so frei und sicher und voller Liebe, dass ich beinahe explodiert wäre vor Euphorie und Freude.

Dieses Grundgefühl hielt auch die kommende Tage an. Natürlich war mir immer noch etwas mulmig während des MRTs. Aber Grundsätzlich hatte ich eher ein positives Gefühl. Als wir dann ins Zimmer der Ärztin gerufen wurden, sagte diese sofort „Ich habe eine gute Nachricht für sie. Es ist nichts zu sehen.“ Und ein MRT zeigt in der Regel eher zu viel als zu wenig an. Trotzdem musste es erneut gegen gecheckt werden mit einem Ultraschall, eventuell mit einer Stanze. Wobei, wo soll man denn rein stechen wenn es keinen bestimmten Bereich gibt sondern nur das Gewebe an sich verändert ist?

Ende Januar hatte ich dann besagte Untersuchung. Der Arzt sagte mir, dass dort eine kleine Stelle sei, die er gerne von seiner Kollegin zwei Tage später noch mal gegen checken lassen würde. Das er allerdings, ohne meine Vorgeschichte, sagen würde das dort nichts ist und man einfach noch mal in ein paar Monaten schaut. Er allerdings aufgrund meiner Vorgeschichte sich lieber noch mal absichern möchte. Zwei Tage später sagte mir die Ärztin, dass es für sie ebenfalls harmlos aussieht und das, wenn selbst das MRT nichts zeigt, das eine ziemlich gute Richtlinie sei.

Nach dem ganzen hin und her und noch einer Untersuchung und noch einer Untersuchung habe ich für mich den Entschluss getroffen, dass ich das Risiko einer erneuten Erkrankung noch einmal drastisch reduzieren möchte. Meine erste Nachsorge war mir definitiv zu viel psychischer Stress und ich habe echt so gar keine Lust, alle sechs Monate wieder das gleiche durch zu machen (auch wenn es natürlich nicht immer so abläuft). Deswegen steht mein Entschluss nun fest, mir beide Brüste komplett abnehmen zu lassen. Ich hoffe dann, dass die Nachsorge im Mai die letzte vor der OP ist. Und dann würde auch die Mammographie weg fallen (welche ich echt unangenehm finde) und die weiteren Nachsorge Termine würden dann aus Ultraschall bestehen. Aber zumindest habe ich dann die Plattform entfernt, auf der es eben zu Brustkrebs kommt. Auf der einen Seite geht diese Maßnahme mir etwas gegen den Strich weil es gegen meine immer größer werdende Überzeugung geht, dass Körper, Geist und Seele im Einklang sein müssen etc. Auf der anderen Seite liegt mir sehr viel daran, meine Psyche endlich mal zu entlasten und das Risiko einer erneuten Erkrankung etwas einzuschränken.

Sobald es dazu Neuigkeiten gibt, werde ich sie euch auf jeden Fall mitteilen.

Gewichtsnews gibt es übrigens keine. Ich schwanke immer noch zwischen 76,6 und 78 Kg. Sobald es weiter abwärts geht, werden neu gewonnene Weisheiten direkt geteilt 😉

 

2 Kommentare


  • Leonie

    Danke!
    Für Deine Offenheit, Deinen Mut und Deine Positivität.
    Alles, alles Gute!
    Leonie

    April 19, 2013
  • Sandra

    Wow! Soviel Kraft, soviel Kampf. Ich finde es wunderbar, dass Du Anderen Mut machst. Ich ziehe meinen Hut ganz tief vor Dir, und wünsche Dir, dass Deine Psyche durch Deine Entscheidung wieder Frieden findet. Und Du glücklich bleibst…
    Liebe Grüße
    Sandra

    April 20, 2013

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