Viel trinken entgiftet den Körper. Und was entgiftet die Seele?

Eigentlich wollte ich vor ein paar Wochen den neuen Artikel „Viel Wasser trinken, hilft viel“ nennen und euch das erzählen, was ihr wahrscheinlich schon längst wisst. Wenn man viel trinkt, regt das den Stoffwechsel an. Der Körper entgiftet und man nimmt besser und schnelle ab. Wenn ich mich an zwei Tagen relativ ähnlich gesund ernähre, davon an einem viel und am anderen wenig trinke, wiege ich am Tag nach dem weniger trinken, nicht wirklich weniger. Trinke ich hingegen viel, zeigt sich das am nächsten Tag deutlich auf der Waage. Es kommt also nicht nur darauf an, eine „Negativbilanz“ an Kalorien am Tag zu haben, sondern auch die Maschine mit Wasser zu versorgen um sie in gang zu halten. Aber wahrscheinlich wusstet ihr das bereits. Äußerst motiviert von dieser Erkenntnis, zeigte die Waage also zu besagtem Zeitpunkt 81,7 und eine Woche später 81,1 Kg an.

In den darauf folgenden zwei Wochen, stellte ich fest, wie mein Essverhalten von meinem Emotionalen Zustand bestimmt wird. Eine befreundete Fotografin erzählte mir bei einem Shooting vor ca. sechs Wochen (oder waren es erst vier?) dass Essen uns erdet und deswegen auch häufig bei Sorgen und Problemen zu essen gegriffen wird um sich zu beruhigen, sich zu erden und wieder einen Halt zu bekommen. Ich bin im Moment sehr Selbst reflektierend, achte sehr darauf, wie mein Körper reagiert und wie er sich anfühlt. Wahrscheinlich werden das viele ehemalige und Krebspatienten bestätigen können. Man bekommt eine andere Sicht auf die Dinge im Leben und versucht mit Situationen zum Teil anders umzugehen als vor der Erkrankung. Ich denke, dass ist auch gut so. Krebs ist ein Warnsignal  Eine großes Schild auf dem steht „STOP – du musst etwas ändern!“. Denn der Weg wie man ihn vorher gegangen ist, hat zum Krebs geführt (um es mal ganz platt aus zu drücken). Wahrscheinlich denken da ebenfalls viele von euch genau so.

Dazu gehört, dass, wenn ich merke mir tuen gewisse Dinge nicht gut, dass ich sie nicht mache. Tuen mir gewisse Leute nicht gut, vermeide ich sie. Wird mir meine Arbeit zu viel, schraube ich einen Gang zurück (als selbständige kann man das ein Glück). Gibt es Konflikte, versuche ich sie zu lösen. Ärger, denn man nur in sich hinein frisst macht krank. Man wird verbittert. Gleiches gilt für Stress, eben alles negative im Leben. Wir sind nicht auf der Welt um uns gegenseitig das Leben schwer zu machen, sondern um es zu genießen, um zu lieben. Wahrscheinlich werden das einige erst in der Minute ihres Todes realisieren. Die Antwort ist die Liebe. Zu esoterisch? Nö, finde ich nicht.

Um nun alles mal zusammen zu bringen und auch den Grund aufzuzeigen warum ich so lange nichts mehr geschrieben habe (vier Wochen sind ja in Blog Zeitrechnung eine halbe Ewigkeit), mir haben ein paar Menschen sehr weh getan. Und Eis und Schokolade können meine Seele anscheinend vorübergehend heilen. Das hatte zur Auswirkung, dass ich in den letzten zwei Wochen wieder bei 82 Kg rum dümpelte. Allerdings habe ich nie die richtigen Worte gefunden um weiter zu schreiben und habe mich auch oft einfach nicht danach gefühlt.

Wenn man krank wird, hofft man, dass gewissen Menschen bleiben und sich nicht abwenden. Bei manchen darf man nicht böse sein, wenn sie es tun. Andere überraschen einen mit so viel Liebe und Treue, wie man es nicht erwartet hätte. Und dann gibt es die Menschen, von denen man ausgeht, dass sie einfach da sind (weil unser harmonisches Weltbild dies erfordert). Man geht davon aus, dass sie Verständnis haben, wenn man sich von sich aus nicht so oft meldet (ich wollte selbst mit meinen engsten und liebsten Menschen manchmal nicht reden), man geht davon aus, obwohl sie es nicht wissen können was man durch macht (denn das kann man nur wenn man es durch macht), dass sie so empathisch sind und sich in die Dinge hineinversetzen (wollen).

Und all diese Dinge, von denen man ausgeht, werden als egoistisch und selbstsüchtig abgestempelt. Von Menschen, von denen du nie dachtest, dass sie so über dich denken könnten. Erst recht nicht nachdem was du durchgemacht hast. Aber darauf sagen sie dir, du solltest dich nicht hinter dem Krebs und der Chemo verstecken. Das sei vorbei und nun ist alles wieder gut. Du bist geschockt über so kalte Worte und versuchst verzweifelt zu erklären, zu vermitteln damit die Menschen nachvollziehen können was in einem vor ging und vor geht. Aber da fängst du erneut an von dir zu reden und es fällt „Du denkst nur an dich“. Aber muss man nicht aus der eigenen Sicht erzählen um den Menschen Dinge verständlich zu machen, damit sie Verständnis haben können? Auf ein hilfloses „ihr wisst doch gar nicht, was bei mir los ist“ bekommst du ein dahin geschmissenes „ach komm“.

Natürlich stecke ich nicht mehr in der akuten Therapie. Seit zwei Monaten bereits nicht mehr. Mir geht es oft schon wieder sehr gut. Die Tage werden leichter. Ich arbeite sehr sehr gerne. Das macht mir Spaß und es fühlt sich an wie vor der Krankheit. Trotzdem ist man nicht von heute auf morgen im normalen Leben. Man muss langsam wieder rein kommen. Vor wenigen Wochen habe ich erst wieder angefangen einen Termin Planer zu nutzen. War ja auch ein Jahr lang nicht nötig. Das sind Kleinigkeiten für Außenstehende, aber ich merke, wie sich meine Welt verändert hat. Ich bin dabei, die äußerlichen Schäden zu reparieren. Das können alle sehen. „Du siehst gut aus“ höre ich im Moment öfter. Manchmal wünschte ich mir, man könnte meine Seele sehen. Denn auch dort ist ein Scherbenhaufen, den ich gerade versuch aufzukehren. Ich versuche keine Angst mehr zu haben. Doch das braucht Zeit. Es schmerzt in meinem Kopf, und ich habe Angst. Meine Brust schmerzt und ich habe Angst. Ich denke und ich habe Angst. All das sind Dinge die keiner sieht. Ich bin ein positiver Mensch, ich bin gerne glücklich. Das will ich mir so oft es geht nicht durch „doofe Gedanken“ vermiesen lassen. Das ist das, was ihr seht….

Du sagst, dass du dir nur etwas Verständnis wünschen würdest. Aber sie sagen dir, du hättest von ihnen genug Verständnis bekommen. Fassungslos sagst du, dass du diese Aussage respektlos fändest, die Antwort „Aha, Respektlos. Da ist es ja wieder das Wort. Hast du das gepachtet?“ lässt dich daran zweifeln ob du mit dem Menschen redest, den du so lange kennst oder ob es sich um einen fiktiven, besonders fiesen Märchen Charakter handelt. Irgendwo müssen die Märchen schließlich her kommen.

Es geht auch eigentlich gar nicht um die beiden Personen mit denen du nun diesen kalten Konflikt hast, sondern um die dritte Person, welche traurig über den kaum vorhandenen Kontakt ist. Diese Person, um die es anscheinend geht, hat nie ein klärendes Gespräch gesucht. So sehr wünscht du dir, dass sie es getan hätte. Und es wäre für dich ok gewesen, wenn sie gesagt hätte „Sorry, du hattest Krebs. Aber ich muss das jetzt echt mal los werden. Ich bin echt ziemlich enttäuscht, dass du dich nicht meldest“. Dann hättest du antworten können. Fehler eingestehen, Dinge erklären können. Nie wolltest du ein schlechtes Verhältnis. Es war nur einfach so viel los. So viele Ängste und Sorgen unter denen du es nicht geschafft hast für den Menschen da zu sein. Zu sehr warst du damit beschäftigt bei dir und deinem Körper zu sein. Gesund zu werden.

Ein paar Tage später, rufst du an um zu sagen, das es dir leid tut, dass du am Telefon laut geworden bist. Natürlich weißt du, dass so ein Verhalten nicht der Konfliktlösung beiträgt. Aber du warst einfach so wütend über das was gesagt und geschrieben wurde. Man antwortet dir, ob du den Brief nicht gelesen hättest. Die Stimme ist kühl und distanziert. Du hast Angst, dass dein schlechtes Gefühl sich bewahrheiten könnte. Legst auf und weißt, das war es. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Du öffnest den Brief und liest Worte die du nicht verstehst. Das sie dein Gesicht nie wieder sehen wollen. Ein Gesicht voller Boshaftigkeit, Wut und Selbstsucht welches du hinter Oberflächlichkeit und gespielter Nettigkeit verbergen würdest. Diese Ausdrucksweise, dies zu einem eigentlich geliebten Menschen zu sagen ist dir fremd. Vielleicht hast du sowas schon mal in einem schlechten Filmen gesehen. Aber nun hast du diese Worte vor dir liegen. Dies ist kein Film.

Du fragst dich, ob diese Menschen dich wirklich so schlecht kennen. Ob das Realität ist. Ob sie so wenig Interesse an dir haben, dass sie so einfach und kalt den Kontakt abbrechen können. Das geht doch nicht. Das passt nicht in dein harmonisches Weltbild welches du dir so verzweifelt zurecht baust. Du zweifelst an dir selbst. Wer bist du? Nach all den Vorwürfen, den respektlosen Äußerungen und der nicht Bereitschaft zur Konfliktlösung hättest du allen Grund sauer zu sein. Diese Menschen zu fragen, was sie sich überhaupt heraus nehmen so mit dir zu reden. Doch die größere Frage die sich dir stellt, warum gehen diese Menschen so gezielt der Konfliktlösung aus dem Weg? Warum scheint es eine größere Überwindung zu sein, offen miteinander zu reden und das Problem zu lösen, als den Kontakt abzubrechen?

Du verstehst die Welt nicht mehr. Alles was du dir wünschst ist Harmonie und Liebe. Du versuchst deine Welt neu zu ordnen. Zu verstehen. Und selbst nach allem was vorgefallen ist, sind dir diese Menschen so wichtig, dass deine Tür für sie offen sein wird und du hoffst, dass sie einiges Tages durch sie durch gehen werden um zu verstehen….

3 Kommentare


  • Jule

    Diese Menschen , können auch annähernd nicht vorstellen was in „unseren“ Körper und in unserer Seele vorgeht , was das für angsteinflösende Gefühle sein können … Manchmal Menschen von denen Wirbels nie erwartet hätten …. Das ist hart und schwer zu begreifen solche aussagen zu hören von den liebsten … Doch da kristallisiert sich das wieder heraus auf wen man zählen kann und auf wen man verzichten kann , so hart und schmerzhaft das vllt auch ist , das weiß ich leider auch …
    Aber du Bit nicht alleine !!! Und es gibt Menschen die verstehen …
    Bleib stark !
    Liebe Grüße

    September 29, 2012
  • Frfanziska

    Hallo Julia,
    ich habe Dich einmal im Wartezimmer vor dem CT-Raum in der Mörkenstraße getroffen. Du und ich saßen dort mit ziemlicher Angst. Du hast mir geholfen, meinen Becher mit dem Kontrastmittel nachzufüllen und als Du aufgerufen wurdest, hast Du mir Deine Karte in die Hand gedrückt. Ich wollte mich schon längst einmal bei Dir melden, weil ich Dich so richtig nett fand und ich mich Dir sehr nahe fühlte (schließlich haben wir das gleiche Schicksal = Krebs). Aber wie Du eben geschrieben hast, man ist irgendwie mit sich und seinem Körper beschäftigt. Und Du hast Recht, was niemand sieht, ist die SEELE. Ich kenne die Probleme, die du beschreibst sehr gut. Ich werde manches Mal unschuldig als „egoistisch“ bezeichnet, weil ich mal etwas anders mache, als vor meiner Darmkrebserkrankung. Daß dies manches Mal reiner Selbstschutz ist, um nicht wieder in so eine beschissene Lage zu kommen, versteht wohl wirklich nur jemand, der „soetwas“ selbst erlebt hat. Du sagst, alle sagen, „Du siehst gut aus“! Ja, das bekomme ich auch sehr oft zu hören und ich werde auch oft um 10 Jahre jünger geschätzt. Alle bewundern, wie toll meine Haare wieder gewachsen sind und wie schnell das ging. Ja, das sind die Äußerlichkeiten! Das ist das, was jeder wahrnimmt. Aber keiner macht sich die Mühe, tiefer zu schauen. Warum zieht man sich an manchen Tagen zurück und will noch nicht einmal telefonieren? Als ich damals die Diagnose Krebs erhielt, habe ich von einigen meiner sog. Freundinnen komische Reaktionen erhalten. Niemals hätte ich gedacht, dass man mich so verletzen könnte (ich war ja schon ganz unten…..). Aber wenn ich eins gelernt habe, dann ist es, dass ich mich nur auf eine einzige Person verlassen kann, und das bin ich SELBST! Denn egal was passiert, am Ende bist Du immer diejenige, die alles ertragen und aushalten musst. Und ich bin im Nachhinein erstaunt, wieviel Schmerzen und Leid ein Mensch aushalten kann, wenn er es nur muss. Klar bin auch ich, genau wie Du auch, ein Mensch, der positiv denkt und ist; werde oft als kölsche Frohnatur gelobt. Aber echte Freunde zeigen sich wirklich erst in dem Moment, wo es einem halt nicht allzu gut geht. Nämlich in solchen Momenten benötigt man gerade einen Freund an seiner Seite. Leider können die meisten Menschen nicht mit dieser Situation umgehen. Eine „Freundin“ von mir meinte, ich solle mich einfach wieder melden, „wenn es mir wieder besser geht“. Ich war das ganze Jahr 2011 mit dem Krebs und der Chemo beschäftigt. Seit Anfang 2012 arbeite ich wieder und versuche mein normales Leben zu leben. Und glaub mir, ich habe mich nicht bei ihr gemeldet. Auf solche Leute kann man dann auch liebend gern verzichten. Ich bekam Hilfe und Freundlichkeiten von unerwarteter Seite. Und über die habe ich mich dann doppelt gefreut. Obwohl ich dazu sagen muss, dass es mir verdammt schwer fällt, auch Hilfe anzunehmen. Schließlich hatte ich mein Leben immer selber im Griff. Aber der Krebs hat mich dazu gezwungen, Hilfe anzunehmen. Denn irgendwann schwindet auch die letzte Kraft und man fühlt sich wie eine 80jährige Frau. Der Geist war zwar willig, aber das Fleisch schwach. Und das ist gar nicht so einfach zu akzeptieren…..
    Ich bewundere Dich, dass Du so stark bist. Aber ich würde Dir auch erlauben, mal schwach zu sein. Denn ich bin es auch. Ich hoffe, Du schreibst mir mal zurück und meldest Dich mal bei mir. Ich glaube uns verbindet bereits jetzt schon sehr viel.
    Einen ganz lieben Gruß (und halte durch…, Bekloppte gibt es leider überall) Franziska

    Februar 1, 2013
  • […] dass ich mich wieder etwas gefestigt hatte, als besagtes Ereignis passierte, in dem ich auch in Viel trinken entgiftet den Körper. Und was entgiftet die Seele? berichte. Ich hatte das Gefühl wieder total zurück geworfen worden zu sein. Und etwa in dem […]

    April 26, 2013

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