Wie alles begann…


Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst.

- Albert Schweitzer

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Ich war 26 und zog mit meinem Freund in unsere neue Wohnung. Meinen Nebenjob hatte ich gerade gekündigt, da die Aufträge als Make-up Artist so anstiegen, dass ich bereits einige absagen musste. Mein Leben schien endlich in den Bahnen zu laufen, die ich geplant hatte. Zwei Wochen später die Diagnose Brustkrebs. Alles worauf ich immer hin gearbeitet hatte löste sich langsam auf. Ich selbst löste mich auf. Wobei ich auf der physischen Ebene durch die Medikamente immer mehr wurde. Ein halbes Jahr nach Ende der Chemotherapie wog ich immer noch 15 Kilo mehr als zuvor. Dann beschloss ich, dass es so nicht mehr weiter gehen kann und änderte meine Ernährung. Als zusätzlichen Motivator rief ich das Weil du schön bist Tagebuch ins Leben und ließ die Öffentlichkeit daran Teil haben.

In relativ kurzer Zeit nahm ich die 15 Kilo wieder ab. Wenige Monate später gab es nur noch unregelmäßige Beiträge im Tagebuch. Eine neue Welle rollte auf mich zu. Diesmal aus dem privaten Bereich. Dies war der Auslöser für eine weitere, große Veränderung, welche man zunächst im Außen nicht sehen konnte, mich aber auf meinen Weg, meine spirituelle Entwicklung schickte wie nichts anderes zuvor.

Auch wenn hier vorerst keine weiteren Abnehm- Beiträge zu lesen sein werden, so möchte ich doch im folgenden euch meine kleine Berg und Talfahrt diesbezüglich mitteilen und durch Bilder veranschaulichen. Wer sich dafür interessiert, kann im Tagebuch auf die ersten Seiten und Beiträge klicken. Weitere Beiträge in diesem Blog werden meine neue Sichtweise auf das Leben, den Krebs und meine persönliche Entwicklung beinhalten.

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Das erste Zunehmen

Dann folgte nach drei Monaten ein anderes Medikament, welches wöchentlich verabreicht wurde. Dazu kam dann das Kortison. Insgesamt drei von sieben Tagen in der Woche, musste ich Kortison nehmen. Am Tag der Chemo und zwei Tage darauf. Das Ganze ging Mitte Oktober los. Das positive Vorweg. Am 9. November fingen meine Haare wieder an zu wachsen. Bereits ein paar Tage vorher konnte ich die Stoppel auf meinem Kopf nicht ganz zuordnen. Waren das neue Haare oder noch die alten Stoppeln? Doch am besagten Tag stand fest: das waren neue Haare!
Wenn man merkt, dass einem Hosen nicht mehr passen, ist es offensichtlich, dass man zugenommen hat. Auch mein Freund sagte Mitte November zu mir, dass man das Kortison jetzt sieht. Relativ schnell und “plötzlich” waren ein paar Kilo mehr drauf. Bei der nächsten Chemotherapie wog ich mich wieder. Tatsächlich 86 Kg. So viel zum Thema Chemodiät. Spätestens da war mir klar, es werden tendenziell 10 Kg mehr als weniger. Aber gut, darum konnte ich mich in dem Moment wenig kümmern. Natürlich ärgerte mich diese Tatsache, allerdings war es viel wichtiger, dass es mir “gut” ging, ich gesund wurde und die Zeit gut überstehe. Also “gönnte” ich mir die ein oder andere Schokolade und bekam teilweise sogar richtig Essanfälle. Als ich mir irgendwann die Nebenwirkungen des Kortisons durch las, war neben Wassereinlagerung und dem typischen Kortison Gesicht auch Appetitssteigerung auf der Liste. Na prima. Das würde die unkontrollierten Essanfälle dann auch erklären.

Ein paar Wochen später, sah auch ich, dass sich mein Gesicht langsam veränderte. Mit den Worten “Mopsi Sieckmann” schickte ich meiner Freundin noch ein Foto von mir. War ja irgendwie ganz lustig und außerdem “nicht meine Schuld”. Das wird auch wieder weg gehen. Und dann kam der Dezember 2011…

Mittlerweile wurden die Kleidungsstücke die mir passten, immer weniger. Weihnachten stand vor der Tür und selbst mit Make-up sah mein Gesicht aufgedunsen und müde aus. Aufgrund einer, zu dem Zeitpunkt noch nicht diagnostizierten Lungenentzündung, war ich schon nach kurzen Strecken müde und konnte den ganzen Tag nur schlafen. Immer öfter stand ich vor dem Spiegel und weinte, weil ich so extrem zugenommen hatte und so fertig war. Ich näherte mich mittlerweile der 90 Kg.  Das war alles einfach so unfair! Oft hatte ich das Bedürfnis, mir das Echthaarband vom Kopf zu reißen, mich abzuschminken und den Leute zu zu rufen “Ich seh’ so scheiße aus, weil ich Krebs habe!”. Natürlich tat ich das, mal wieder, nicht und so blieb ich für alle die mich nicht kennen nur das “dicke Mädchen”. Mein Freund sagte mir immer, dass es doch egal ist wie andere mich sehen. Aber wenn man eigentlich 25 Kilo weniger wiegen müsste und mindestens 15 um so auszusehen, wie man vorher aussah, ist das leichter gesagt als getan. Und ständig stieg die Zahl auf der Waage.

Meinen Höhepunkt, zumindest was das Kortison Gesicht anbelangt, hatte ich am 10.01.2012. Ich konnte kaum richtig Lachen, davon abgesehen, dass es auch kaum noch was zu lachen gab, und wenn ich heute die Fotos von diesem Tag sehe, erschrecke ich mich selber immer sehr und frage mich, warum mein Freund nicht vor mir weg gerannt ist. Allerdings wuchsen die Haare in einem rasanten Tempo und waren mittlerweile so lang, dass sich langsam kleine Wirbel auf meinem Kopf bildeten.

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Das Ende der Chemo und das Absetzen des Kortisons

Mit der Chemo, hörte auch die Einnahme des Kortisons auf. Als ich ungefähr einen Monat später operiert wurde, sah man schon deutlich, dass das Mondgesicht langsam verschwand. Auch meine Haare waren in dem Monat noch ein gutes Stück gewachsen und bedeckten die Kopfhaut nun vollständig. Um jedoch so in der Öffentlichkeit rum zu laufen, waren sie mir allerdings noch zu kurz. Aber vor Freunden war es mir mittlerweile überhaupt nicht mehr unangenehm, oben ohne zu sein.

Als die Sonne in dieser Zeit sich an manchen Tagen bereits öfters blicken ließ und zum Teil schon angenehm warm war, traf ich mich mit zwei Freundinnen um im Sonnenschein meinen ersten Prosecco zu genießen. Natürlich kam es auch wieder auf das Thema Ernährung und Abnehmen zu sprechen. Wie ihr euch vorstellen könnt, ein Thema, welches mir in den vergangen Monaten sehr unangenehm war. Ich wusste, dass ich ich in den letzten Monaten nicht gerade gesund gegessen habe. Die Medikamente taten dann ihren Rest und da ich mittlerweile bei 92 Kg war und mehr als offensichtlich viel zu viel wog, konnte ich zu solchen Diskussionen eh nicht viel beitragen außer “Ich darf im Moment keinen Sport machen und habe nicht die Kraft mich aufs Essen bzw. richtige Essen zu konzentrieren.” Man muss dazu sagen, dass die OP im Februar leider alles andere als gut lief. Denn seit dem hatte ich mit “Wundheilungsstörungen” zu kämpfen und die Behandlung zog sich somit in die Länge.

Da eine der Mädels Vegan aß, wurde schnell auch “Vegan Essen” zum Thema. Am selben Abend gab mir eine der beiden ein Buch mit dem Titel “Skinny Bitch”. Skinny wollte ich nicht werden und eine Bitch erst recht nicht, aber ich nahm es dankend an. Warum sollte ich mir nicht schon einmal Ernährungstipps holen.

Bei dem Buch “Skinny Bitch” scheiden sich im Internet die Geister. Die einen finden es richtig toll und haben es damit geschafft ihre Ernährung umzustellen. Andere halten es für überspitzt, übertrieben und nicht richtig, sich ausschließlich vegan zu ernähren. Auch ich konnte mir nicht vorstellen, auf Fleisch zu verzichten. Geschweige denn auf tierische Lebensmittel. Niemals! Doch dann las ich das Buch…

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Höchstgewicht. Versuch Nummer 1: Vegan!

Erst ein paar Wochen später, irgendwann im März 2012 nahm ich das Buch zur Hand, da die Zahl auf der Waage immer höher wurde. Und dass, obwohl ich bereits wieder darauf achtete normal zu essen. Mein Höchstgewicht lag bei 94,5 Kg. Relativ schnell war mir klar, was mir eh schon klar war. Cola, Brausen und Säfte sind schlecht. Süßigkeiten auch. Allerdings wusste ich nun, warum das alles schlecht war. Da in mir eine kleine Wissenschaftlerin wohnt, mag ich es, wenn Dinge logisch sind und wenn ich weiß was gewisse Sachen auslösen und eben wenn das warum geklärt ist. Ich las weiter und kam schließlich zu den Kapiteln in denen es darum geht, tierische Produkte weg zu lassen und auf Fleisch zu verzichten. (Das Buch schreibt natürlich auch, dass man sich da langsam ran tasten sollte). Nachdem ich, geschockt über Massentierhaltung (Ja, wissen wir angeblich alle, doch keinen Interessiert es genug um auch was zu ändern), deren Folgen, was die Tiere dort zum Teil alles ertragen müssen, fing ich plötzlich an zu heulen und konnte mich nicht mehr einkriegen. Mein Freund, dem ich die letzten Kapitel vorlas, nahm mich in den Arm und gemeinsam beschlossen wir, wir wollten versuchen vegan zu essen.

Allerdings ohne Verbot. Sollte uns einmal in der Woche nach Fleisch sein, würden wir darauf achten, dass es sehr gutes Bio Fleisch ist. Also gingen wir in den Bioladen und deckten uns ein. Wenn man sich erstmal damit beschäftigt, stellt man fest, dass man erstaunlich viele Sachen essen kann. Man muss sich nur einmal damit beschäftigen. Komplett vegan zu leben, machte uns beiden nichts aus. Mein Gewicht pendelte sich so um die 92 – 93 Kg ein. Aber richtig abgenommen habe ich in der Zeit nicht. Was bestimmt auch daran lag, dass ich keinen Sport machen sollte aufgrund der Wundheilungsstörung. Jedoch fühlte ich mich in der Zeit sehr gut! Mann ist eben doch was man isst.

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Der Rückschlag

Mitte April musste ich aufgrund der Wundheilungsstörungen wieder für zwei Wochen ins Krankenhaus. Es war wieder ein auf und ab. Bleibt die Brust erhalten? Muss man sie abnehmen? Mittlerweile hatte sich auch das umliegende Gewebe entzündet und ich fiel wieder in die “Ich habe keine Kraft mich aufs richtige Essen zu konzentrieren” Phase zurück. Meine Haare waren dafür bereits so lang, dass sie nach Kurzhaarfrisur aussahen und ich wieder ohne Echthaarband raus ging. Überall lockten sie sich und standen in alle Richtungen ab. Anfang des Monats hatte ich sie sogar bereits zum ersten Mal gefärbt. Dunkelbraun. Dadurch sah das Haar gleich viel voller und nach mehr aus.

Nachdem ich aus dem Krankenhaus draußen war, versuchte ich immer mehr gesunde Nahrungsmittel in meine tägliche Ernährung aufzunehmen. Einfach, um mich wieder gut zu fühlen. Ein Überbleibsel aus dem “Veganen Monat” war, dass ich kein Fleisch mehr kaufte. Ich hatte eine innere Blockade gegenüber Fleisch. Die einzige Ausnahme war mein koreanisches Lieblingsrestaurant, das Kimzen.

Der Mai 2012 wurde dann zu einem der psychisch schwersten Monate der ganzen Behandlung. Nach weiteren zwei OPs und der permanenten Frage, wann das alles ein Ende hat, schwankte mein Gewicht stark zwischen 94 und 92 Kg. Mir passten nur noch zwei Hosen und ein paar Oberteile, welche ich mir bereits in den “großen” Monaten gekauft hatte. Davon abgesehen, dass meine Haare wuchsen und wuchsen, ich sie aus einer Laune heraus blondiert und rosa gefärbt hatte, fühlte ich mich mit dem Rest meines Körpers von Tag zu Tag unwohler. Besonders schlimm war es, das volle Ausmaß auf Fotos zu sehen. Zwar näherte mein Gesicht sich dem an, was ich gewohnt war, alles unterhalb des Kinns war jedoch, meines empfinden nach katastrophal. Und als Höhepunkt des eh schon so beschissenen Monats, stürzte am 30.05.2012 meine externe Festplatte ab, auf der sämtlich Daten und Fotos der letzten 10 Jahre gespeichert waren. Eine Sicherheitskopie hatte ich davon natürlich nicht. Doch das war der Auslöser, so merkwürdig es sich jetzt auch anhört, dass ich schließlich doch anfing abzunehmen. Denn als schließlich die meisten Daten gerettet werden konnten, schaute ich, was noch alles auf der Festplatte war und kam so zu den Fotos, die vor einigen Jahren entstanden waren.

Meinen Abnehmweg könnt ihr im Tagebuch nachlesen. Wer beim ersten Tag beginnen möchte, klickt einfach auf den Folgenden Link: Der Auslöser

Alle, die die kommenden Wochen überspringen wollen, können einfach auf den Link “Tagebuch” klicken um auf den neusten Stand zu kommen.

 

 

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